Tallinn nice to meet you. Sorry Riga.

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1. Juli 2022 Rally-Tagebuch 0

12. und 13. Etappe von Helsinki nach Tallinn und weiter nach Riga

30. Juni und 1. Juli 2022

Unsere Fähre von Helsinki nach Tallinn ging erst um halb zwei. Der Morgen verlief dementsprechend entspannt mit Frühstück auf der Dachterrasse. Auf dem Weg zur Fähre war auch noch ein kleiner Spaziergang an einer der vielen Marinas drin. Wir nutzen unsere Chance und sprachen zwei Segler an – wir mussten nun endlich mal unseren schwedischen Einkaufswagenchip tauschen. Es klappte. Der Bootseigner kramte in wenig rum und kam mit einem Steckbolzen zurück.

Die Überfahrt nach Estland dauerte etwa zwei Stunden bei bestem Wetter. Wir saßen auf einem Sonnendeck am Heck des Schiffes. Plötzlich Aufregung an Bord. Bei voller Fahrt näherten sich schwarze und offenbar sehr gut motorisierte Schlauchboote von hinten. Minuten später kletterten mehrere Soldaten in voller Montur und Bewaffnung über die hintere Bordwand. Sie wirkten entspannt. Es war offenbar eine Übung. Russland war nicht weit…

Covid-19 hatte nun auch die Rally bzw. ein Team ereilt. Ein Grund mehr, die Baltic States Party in der Nähe von Tallinn sausen zu lassen. Die Entscheidung gab uns außerdem Zeit für etwas Sightseeing. Eine Unterkunft in Tallinn war schnell gebucht. Dafür dauerten Suche nach der Wohnung, Schlüsselübergabe und Parkplatzsuche in der Altstadt etwas länger.

Unglücklicherweise lag unsere Wohnung auch noch unmittelbar neben der Russischen Botschaft, vor der gerade lautstark demonstriert wurde. Am Ende hatten wir aber unsere Unterkunft bezogen und erkundeten die sehr schöne und liebevoll restaurierte Altstadt der alten Hansestadt Tallinn. Leider war es in der Kürze der Zeit sowohl in Helsinki als auch in Tallinn immer nur ein „orientierender Spaziergang“. Mehr ließ der Zeitplan der Rally einfach nicht zu. Definitiv ist Tallinn aber eine Reise wert.

Nach einem üppigen Abendessen konnten wir uns immerhin noch zu einer Tour mit E-Rollern durch die spätabendliche Stadt aufraffen. Ein Konzept, welches sich auch in Helsinki bewährt hatte. Man kommt an die gleichen Orte wie ein Fußgänger, ist aber einfach schneller unterwegs von A nach B.

Nach zwei Drinks in einem hippen und für einen Donnerstag sehr gut besuchten Club unter freiem Himmel ging es zurück und ab ins Bett. In der Wohnung war es trotz der meterdicken, mittelalterlichen Mauern heiß.

Am nächsten Morgen suchten wir uns noch etwas Nettes zum Frühstücken und dann die alte Leier: Packen, Auto beladen usw. usw. Und ab die Post Richtung Riga.

Der beste Plan taugt nichts, wenn er von Team Tralala ausgedacht wurde. So stellte sich auch an diesem Tag (aber erst viel später) heraus, dass ein Besuch (im Sinne von Besichtigung) Rigas zeitlich gesehen unmöglich war. Da hätte man schon früher aufstehen bzw. mal das Roadbook lesen müssen. Hätte. Man(n). Aber nicht wir. Da wir das aber alles noch nicht wussten, war die Fahrt entspannt.

Es galt, eine weitere Roadbook-Aufgabe zu erfüllen. Es hatte was mit Wasser und Baden zu tun. Also genau unser Ding! Den Ort zu finden, einen ehemaligen Tagebau bei Rummu, gar nicht weit von Tallin, war nicht schwer. Denn alle wollten dorthin! Früher wurden hier Kalkstein und Marmor von Gefangenen abgebaut. Nach Aufgabe des Tagebaus sammelte sich Grundwasser und überflutete die Gebäude. Jetzt wirkt der Ort aufgrund des türkisblauen Wassers irgendwie karibisch. Für 5 € kann man rein.
Spätestens die Installation einer quietschbunten Badeinsel bzw. Wasserhüpfburg hat den Ort irgendwie entzaubert, finde ich. Naja, Haken dran. Foto im Kasten. Und Tschüss!

Später gab es hausgemachtes Gulasch an einer kleinen Raststätte und dann überquerten wir die Grenze zu Lettland und fuhren in einen Stau, der uns weitere Zeit kostete.

So zuverlässig, wie bisher unser Benz, war offenbar nicht jeder Wagen. In der Telegram-Technikgruppe der Rally wurden regelmässig Hilferufe an das Teilnehmerfeld durchgegeben. Das meiste ließ sich irgendwie beheben. Häufig durch besondere Kreativität und die Hilfsbereitschaft einheimischer Werkstätten. Und es gab Hardy, quasi der gelbe Engel der Rally, der zumindest aus der Ferne schon mal Verdachtsdiagnosen und Tipps liefern konnte, bevor er selbst Hand anlegte. Heute hatte ein Team ofenbar Probleme mit der Lichtmaschine. Zufällig hatten wir einen Regler dabei, den wir zur Verfügung stellten und der später dem Team die Weiterfahrt ermöglichte. Einen zweiten Regler haben wir aber nicht. Unser muss also durchhalten.

Das Thermometer zeigte 31 Grad. Gott sei Dank hat unser 30 Jahre alter Mercedes eine hervorragend funktionierende Klimaanlage. Trotzdem, wir fuhren an der Ostseeküste entlang, da musste ein kurzer Badestopp sein. Am Strassenrand gab es noch Kirschen und Salzgurken. Gekauft.

Gegen halb acht kehrten wir ein in einen kleinen Imbiss. Hier kochte Mutti noch selbst. Uwe und ich tranken ein frisch Gezapftes. Zisch. Frank wurde zum Fahren verurteilt. Soljanka und Schaschlik waren lecker, sorgten aber für zusätzliche Schweißausbrüche. Nach dem zweiten Bier war Uwe bereit für die Rückbank.

Etwa 22:30 Uhr bezogen wir unsere Unterkunft in Riga. Damit war der Besuch dieser Stadt leider abgehakt. Beim Blick ins Roadbook wurde uns klar, dass zwei große Etappen durch Litauen, Polen und Deutschland vor uns lagen. Wie man auf die Idee kommen kann, einen Besuch in Vilnius oder der Kurischen Nehrung (ca. 280 km Umweg) vorzuschlagen, bleibt eines der Rätsel des Roadbooks. Wir waren frustriert.

Hitze und Fahrt hatten uns irgendwie geschafft. Wecker auf 7 Uhr gestellt. Alle Fenster auf Durchzug. Gute Nacht.

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