Rally for Peace und der gefährlichste Ort der Welt.

Rally for Peace und der gefährlichste Ort der Welt.

3. Juli 2022 Rally-Tagebuch 3

Etappe 14 und 15 von Riga durch Lettland, Litauen und Polen bis nach Kolberg (Ostseeküste)

2. und 3. Juli 2022

Wie immer nutze ich die Fahrt, sitze hinten im „Backoffice“ und schreibe den Blog. Das Gewackel im Auto erklärt zumindest einige Schreibfehler. Es wird Zeit, dass die Rally zu Ende geht! Wir haben gerade 5 Minuten gebraucht, um uns zu erinnern, wo wir vor 2 Nächten waren. Man merkt auch an der Tourplanung im Roadbook und an der Streckenplanung der Teams, dass es jetzt darum geht, Strecke zu machen.

Gegen 8 Uhr verließen wir Riga Richtung litauische Grenze. Leider blieb keine Zeit, die Stadt anzuschauen. Das sollte sich so fortsetzen: Vilnius, kurische Nehrung, Danzig – alles leider nicht mehr zu schaffen.

Heute wollten wir es mindestens bis zur masurischen Seenplatte in Polen schaffen, über 500 km.

Zunächst aber Stopp etwas südlich von Riga am „Berg der Kreuze„, einem christlischen Wallfahrtsort. Die Pilger stellen oder hängen dort Kreuze auf, verbunden mit einem Wunsch. Tagesaufgabe war, ein selbstgebautes Kreuz an den Ort zu bringen. Wir lösten das Ganze mit Hilfe zweier Kleiderbügel aus Draht (gut gemacht, Frank). Der Ort ist schon beeindruckend.

Relativ schnell war Litauen erreicht und es ging an der Grenze zu Kaliningrad, der russischen Exklave, entlang. Wir erreichen den Grenzort Kybartai und waren völlig ahnungslos, dass wir uns hier an einem Ort aktuell höchster politischer Brisanz befanden. Da das Supporting Team zu Hause aber auf Zack ist, erhielten wir sofort Zeitungsartikel zum Thema. Wir befanden uns also im Gebiet der sogenannten Suwalki-Lücke, welches aktuell als weltweit gefährlichster Ort hinsichtlich eines möglichen militärischen Konfliktes zwischen Russland und der NATO eingestuft wird. Wir erhielten den Rat, schnell abzuhauen. In der Tat ist der Ort nicht gerade einladend, aber das hatte sich positiv auf die Preise ausgewirkt, so dass wir erst einmal für sehr kleines Geld ausgiebig Hausgemachtes zum Mittag aßen. Als es anfing zu regnen, war dies das Zeichen für uns, diesen Ort zu verlassen.

Es tat sich was in der Telegram-Gruppe des BSC2022. Team #115 hat eine besondere Aktion in Marijampole organisiert. Treffpunkt 15:00 Uhr. Wir waren in der Nähe und fuhren hin. Mit der Erlaubnis der Stadtverwaltung und der Polizei fuhren nun etliche Rallyfahrzeuge auf einem großen Platz der Stadt auf und parkten in PEACE-Formation. Wir waren alle selbst beeindruckt und Team #115 hat unseren vollen Respekt für diese Aktion!

Irgendwo in den Masuren nahmen wir uns ein 3-Bett-Zimmer. Essen, ins Bett – viel mehr passierte nicht mehr an diesem Tag.

Ausschlafen ist nicht! Wir verdächtigten uns erst einmal gegenseitig des Schnarchens. Die Party, die unüberhörbar bis zum frühen Morgen im Hotel stattfand, könnte auch ein Grund gewesen sein.

Abfahrt. Es dauerte gar nicht lange, wir waren wieder gut vorbereitet bzw. hatten einfach Glück, da kamen wir an einem historische Ort vorbei. Der Wolfsschanze, dem ehemaligen Hauptquartier der Hitler-Administration und Ort des Attentatversuches von Oberst von Stauffenberg und anderen. Wir bogen ab und schauten uns die zum großen Teil zerstörten, aber immer noch sehr beeindruckenden Bunkeranlagen und Ausstellungen an.
Weiter ging es und die Fahrt zog sich endlos hin. Wir hatten uns, aus Gründen, die sich nicht mehr rekonstruieren ließen, für eine sehr individuelle Route entschieden. Daher begegneten wir auch kaum einem Menschen, geschweige denn mehr als zwei bis drei Rally-Teams. Es ging über kleine Strassen und jedes Dorf nahmen wir mit. Durchschnittsgeschwindigkeit sicher unter 50 km/h.

Irgendwann, endlich, erreichten wir Kolberg an der Ostsee. Gerade noch rechtzeitig, um den Sonnenuntergang zu sehen. Da manche von uns die Gefahr eines Angriffes der Natur in Form von Mücken unmittelbar befürchten mussten und nicht mit Abwehrmitteln eingesprüht waren, flüchteten wir uns noch auf eine Pizza, Bier und den einen oder anderen Vodka sour in eine Lokalität. Die Unterkunft (natürlich feste Behausung, ich hatte meine Campingpläne mittlerweile aufgegeben), war nicht weit und wir fielen ins Bett.

3 Antworten

  1. Simone Ulrich sagt:

    Schade, dass eure Reise zu Ende geht. Plant ihr schon die nächste Tour? Mit ganz viel Interesse haben wir euren Blog gelesen und „kontrolliert“, was unser Chef so treibt. Nun kontrolliert er uns bald wieder 🙂
    Gute Heimreise!

  2. PiCoLo sagt:

    Ihr seid phantastisch! Gratuliere!
    Herzliche Grüße und alles Beste Euch ❤️
    sonnige Grüße vom Stern

  3. JuliSchu sagt:

    Ich bin begeistert, wirklich eine tolle Route und Idee. Sehr spannend zu lesen. Du kannst echt spannend schreiben, Dirk!
    Liebe Grüße Jule

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